Nun legt das Corona-Virus...

von Pfarramt

Liebe Pfarreimitglieder

Nun legt das Corona-Virus unser gesellschaftliches und kirchliches Leben lahm. Eigentlich ist es ja unglaublich, aber irgendwie auch sinnbildlich für unsere Welt und unser Leben, dass ein mikroskopisch kleines, für unsere Augen unsichtbares Virus die Macht hat, unseren ganzen Alltag durcheinander zu bringen.

Leider ist das Corona-Virus nicht allein geblieben. Auf geistlicher Ebene kommen nun allerlei andere dazu:

  • Das Virus der Angst, das fragt: wohin wird das noch führen? Wird es auch mich treffen oder Menschen, die mir wichtig sind? Wer hilft mir, den Alltag zu meistern? Ganz handgreiflich, beim Einkaufen – oder seelisch? All die Sorgen, die wir vor Corona schon hatten, sind ja nicht einfach weg.
  • Das Virus des „Ich zuerst“, eine Mutation des Virus der Angst, die zu Panikkäufen führt oder Lügen gegenüber Ärzten und Spitälern, um zu einem Test zu kommen.
  • Das Virus des Ärgers und manchmal auch des Trotzes unter jenen, die die Situation gelassener sehen und den Eindruck haben, die Massnahmen des Bundes gehen zu weit.


Manchmal genügt es, dass nur ganz wenig in uns oder anderen krank ist, im Denken, im Fühlen, in den Einstellungen, die das Handeln antreiben, und schon kommt noch mehr durcheinander, nicht nur im eigenen Leben, auch im Leben von anderen.

Auch in unserem Pfarreileben ist so ziemlich alles durcheinander geraten, zumindest in Bezug auf alles, was mit persönlichen Begegnungen zu tun hat. Räumlich müssen wir auf Distanz gehen – aber gefühlsmässig sind wir aufgerufen, noch näher zusammenzurutschen als bisher.

Wir sind daran, uns zu überlegen, wie wir die Seelsorge und die geistliche Begleitung auch unter diesen schwierigen äusserlichen Bedingungen weiterführen können, z.B. indem wir Gottesdiensttexte online stellen.

Gleichzeitig laden wir Sie ein, sich ebenfalls zu überlegen, wie Sie das, was Ihnen wichtig ist am Pfarreileben, weiterführen können, z.B. durch vermehrte Telefonate oder indem sie vorgesehene Gebetszeiten statt als Gemeinschaft in der Kirche nun zur gleichen Zeit zuhause machen. Gerne nehmen wir diesbezüglich auch Anregungen oder Informationen von Ihnen entgegen, die wir dann auf der Homepage oder auf anderem Weg weiterverbreiten können.

Etwas bleibt, wie es war: unsere Kirche ist weiterhin geöffnet für’s persönliche Gebet. Natürlich sind alle gebeten, auch in der Kirche den nun nötigen Abstand voneinander einzuhalten.

Und noch etwas bleibt: Gott ist und bleibt uns nahe, und diese Nähe infiziert nur mit heilenden Viren, nicht mit schädigenden.

Schön wärs, wenn diese ungewohnte Form von Fastenzeit, die uns jetzt auferlegt ist, uns helfen würde, eine ganz neue Form von Nähe untereinander und mit Gott zu entwickeln. Auch das erleben wir ja derzeit: dass Menschen, die bisher nichts miteinander zu tun hatten, nun füreinander und miteinander da sind – in der Nachbarschaftshilfe oder singend und applaudierend auf Balkonen.

Stoppen wir gemeinsam die krankmachenden Viren – und fördern wir gemeinsam die heilsamen. Zeit haben wir ja jetzt.

Bhüet Sie Gott
Don Marek Gorski und Markus Widmer

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