Nach fünf erfüllten Jahren in Gossau als Jugendseelsorgerin ist für mich die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen. Fünf Jahre, in denen ich durch viele Begegnungen, Erlebnisse und Gespräche reich beschenkt wurde – mit Vertrauen, Freude, Tiefe und Gemeinschaft.
Besonders lebendig in meinem Herzen bleiben die Zelt- und Hauslager der Jubla. Ich denke an das Knistern des Lagerfeuers, den Duft von frisch Gekochtem, an das gemeinsame Kochen – manchmal über dem Feuer, manchmal in der Lagerküche. Ich denke auch an die Regentage, an denen wir trotz durchnässter Kleider Zelte aufstellten, aber noch lieber erinnere ich mich an die langen Gespräche mit Leiterinnen und Leitern – oft bis tief in die Nacht, ehrlich, berührend und bedeutungsvoll.
Ein weiterer Herzensort war für mich jedes Jahr der Firmkurs. Ob in Assisi, in der Kirche San Damiano oder bei einem feinen Glace auf der Piazza – die Gespräche mit den Jugendlichen, ihre Freude, ihre Fragen, ihr ehrliches Ringen um den Glauben haben mich tief berührt. Ebenso die Firmleitungsweekends in Chur, an denen wir gemeinsam über den Glauben nachdachten, spirituelle Impulse teilten und als Gemeinschaft wuchsen.
Stolz erfüllt mich auch unsere Jugendband – „die Band“ –, die sich vor einigen Jahren gegründet hat. Mit viel Herzblut, Motivation und musikalischem Talent probt sie regelmässig und gestaltet mit ihren Liedern viele Gottesdienste lebendig, modern und berührend. Es war mir eine grosse Freude, dieses Projekt begleiten und wachsen sehen zu dürfen.
Auch die kleineren Projekte werde ich nicht vergessen: Lebensmittel verteilen mit Jugendlichen im Projekt Incontro an der Langstrasse, gemeinsames Kochen und Essen während der Jugendkarwoche, unsere Gesänge in Taizé, das Adventskranzstecken, das gemeinsame Meditieren, Bibellesen, und Ostereierfärben – jedes einzelne Ereignis war für mich Ausdruck lebendiger Kirche.
Mit viel Freude habe ich auch die 5./6.-Klassprojekte wie das Osterspezial, den Escape Room, die Lichtfeier oder unseren Minigolf-Ausflug gestaltet – genau wie die verschiedenen KathU-Module, in denen Kinder und Jugendliche den Glauben auf kreative und lebensnahe Weise entdecken durften.
Dankbar bin ich auch für die vielen wertschätzenden Begegnungen mit den Eltern der Jugendlichen und mit allen Pfarreimitgliedern. Ob in klassischen Eucharistiefeiern oder in neu entstandenen Wortgottesdiensten.
Nun ist es Zeit, weiterzugehen. Zeit, loszulassen und mit einem dankbaren Herzen nach vorne zu blicken. In der Bibel heisst es: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5)
Mit diesem Hoffnungswort aus der Offenbarung verabschiede ich mich aus Gossau – mit einem dankbaren Herzen und voller Vertrauen, dass Gottes Geist weiterhin in der Jugendarbeit weht und Neues wachsen und aufblühen lässt. Ich bin überzeugt, dass das, was hier begonnen hat, weitergetragen wird – durch engagierte Menschen, junge Talente und die Kraft der Gemeinschaft.
Auch für mich persönlich ist es Zeit, weiterzugehen. Ich nehme viele schöne Erfahrungen, Begegnungen und Inspirationen mit – im Vertrauen, dass auch an meinem neuen Ort Neues entstehen darf, dass ich weiterblühen darf, getragen von dem, was ich hier erleben durfte.
Herzliche Grüsse Anika Trütsch